Im Rahmen der bundesweiten Woche der Wiederbelebung fand am 17.09.2019 unser Herzretter-Talk zum Thema „Laienreanimation in Deutschland – Politische Aufgabe oder unternehmerische Verantwortung?“ im Bucerius Kunst Forum statt.

Moderation: Anke Harnack (NDR)

Rund 100 Gäste kamen, um den Beiträgen unserer Podiumsgäste zu folgen. Auf dem Podium diskutierten Marcus Weinberg (Mitglied des Deutschen Bundestages, CDU), Vicky-Marina Schmidt (Schulleiterin, Goethe-Schule Harburg)
Dr. med. Alexander Bernhardt, Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf), Beate Proll (Abteilungsleiterin LIB, Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung Hamburg), Bernhard Krauss (BGM, PricewaterhouseCoopers GmbH Düsseldorf), Godo Savinsky (Leiter der Berufsfachschule für Notfallsanitäter Feuerwehr Hamburg) und Dr. Martin Buchholz.

Für ein buntes Abendprogramm sorgten außerdem Axel Zwingenberger mit seinem Boogie Woogie, drei Kinder der Ballettschule John Neumeier mit einem Pas de Trois aus der Nussknacker sowie die Drittklässler der Grundschule Molkenbuhrstraße mit unserem Herzretter-Song.

Auszüge aus den Statements der Gäste des Herzretter-Talks

Dr. med. Alexander Bernhardt, leitender Arzt am UKE Herzzentrum:
Wenn ein Mensch nach einem Herz-Kreislauf-Stillstand ohne vorherige Laien-Reanimation zu uns ins Krankenhaus
kommt, sind seine Chancen zu überleben sehr gering oder es besteht die Gefahr eines bleibenden
Gehirnschadens. Je schneller mit der Wiederbelebung begonnen wird, umso besser. Man kann nichts falsch
machen, außer nicht zu helfen. Es müssen alle – vom Laien über die Feuerwehr und den Rettungsdienst –
gut zusammenarbeiten.


Godo Savinsky, Arzt und Leiter der Berufsfachschule für Notfallsanitäter:
Wir brauchen insbesondere die Wiederbelebung durch anwesende Laien. Sie bilden das erste Glied der
Rettungskette und überbrücken mit ihrem Handeln die Zeit bis professionelle Helfer eintreffen. Alle Stationen
der Rettungskette sind wichtig. Nach der Annahme des Notrufs versuchen wir so schnell wie möglich am
Einsatzort zu sein. Während dieser Zeit unterstützen die Kollegen von der Leitstelle am Telefon die Anrufer
individuell und leiten die Maßnahmen zur Reanimation an. Es ist leichter für uns, wenn die Laienhelfer schon
einmal einen Erste-Hilfe-Kurs oder Herzretter-Kurs absolviert haben.


Beate Proll, Abteilungsleiterin LI, Landesinstitut für Lehrerbildung und Schulentwicklung:
Die Kultusminister-Konferenz hat 2014 die Empfehlung ausgesprochen, Laienreanimation ab der siebten
Schulklasse voranzubringen. Die Erfahrungen zeigen, dass Kinder und Jugendliche besonders leicht und
positiv mit dem Thema umgehen. Wir wollen die Grundhaltung fördern, auf andere in der näheren Umgebung
zu achten und dann auch zu helfen – in welcher Situation auch immer. Deshalb haben wir mit unseren
Kooperationspartnern im Arbeitskreis Wiederbelebung ein Konzept entwickelt, das wir seit dem neuen
Schuljahr anbieten: Helfen. Lernen. Leben. Retten. https.://li.hamburg.de/reanimationstraining


Vicky-Marina Schmidt, Schulleiterin, Goethe Schule Harburg:
Wir haben an unserer Schule in den letzten drei Jahren über 600 Kinder vom Verein „Ich kann Leben retten!“
ausbilden lassen. Es fasziniert mich immer wieder: Kinder haben ein natürliches Bedürfnis zu helfen. Sie
sind in den Kursen mit leuchtenden Augen dabei und wollen lernen wie es geht. Das einzigartige Konzept
der Herzretter-Initiative überzeugt Eltern, Lehrer und Schüler, insbesondere wegen der lebendigen und einprägsam
gestalteten Inhalte der Kurse. Sie sind inzwischen in unsere Schulkultur implementiert und wirken
sich sehr positiv auf den Schulalltag aus. Ich kann mir unsere Schule ohne diese Kurse kaum mehr vorstellen.


Marcus Weinberg, Mitglied des Deutschen Bundestages, CDU, Hamburg:
Nach einem plötzlichen Herzstillstand einer Kollegin im Bundestag ist uns allen bewusst geworden, wie
wichtig es ist, Leben retten zu können. Für die Schulen könnte ich mir beispielsweise vorstellen: Gut ausgebildete
Lehrer nutzen ausfallende Schulstunden zum Auffrischen des erlernten Wissens. Es muss eine überparteiliche
Initiative geben, die gemeinsam mit den Schulen und dem Aktionsbündnis Wiederbelebung eine
nachhaltige Struktur aufbaut.

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